Pressestimmen

Ideen kommen im Schlaf

VON CLAUDIA RAAB

Seit einem dreiviertel Jahr ist Bad Orb um eine Autorin reicher. Unter dem Pseudonym Christina Klose hat Birgit-Christine Butte insgesamt 15 Bücher veröffentlicht, darunter Gedichte, Kurzgeschichten, Krimis, Biografien und Kinderbücher. "Reden ist Silber, schreiben ist Gold." Manchmal staune ich selbst und denke‚ das habe ich wirklich geschrieben", verrät die 74-Jährige. Kürzlich veröffentlichte sie ihr neues Buch "Mein bewegtes Leben".

Birgit-Christine Butte erblickte das Licht der Welt am 30. März 1945 im Erzgebirge, wohin es ihre Mutter nach der Flucht aus Schlesien vor herannahenden Truppen verschlagen hatte. Später fand die Familie in Krombach im Siegerland ein neues Zuhause. Dort verlebte die Autorin ihre Kindheit und Jugend.

Sie ergriff den Beruf der Sekretärin und lebte ein Jahr in der Schweiz, bis sie 1970 nach Frankfurt zog. Dort bildete sie sich nicht nur zur Direktionsassistentin weiter, sondern begann auch mit ihren ersten Schreibversuchen.

"Ich war in einem mittelständischen Unternehmen beschäftigt und habe dort die firmeneigene Zeitung betreut". Das Unternehmen 1999 verkauft und Butte stand im Alter von 54 Jahren auf der Straße. "Auch wenn ich gesundheitlich angeschlagen war, gab ich nicht auf. Aus den Steinen, die das Schicksal mir in den Weg gelegt hatte, gelang es mir, eine Treppe zu bauen", sagt sie.

Ermutigt durch ihren früheren Chef absolvierte sie an der Cornelia-Goethe-Akademie ein Studium für literarisches Schreiben. 2006 veröffentlichte sie ihren ersten biografischen Roman "Das erfüllte Versprechen". Er handelt vom Schicksal ihrer Mutter und weiteren Menschen, die bei Kriegsende Flucht und Vertreibung durchlebten. Gemeinsam mit Waltraud Grampp, die einige Fotos beisteuerte, wurde 2013 unter dem Titel "Zuhause ist noch keine Heimat" eine erweiterte Auflage herausgegeben.

Obwohl Butte ihr Studium bereits 2002 mit einem Diplom erfolgreich abschloss, dauerte es noch ein paar Jahre, bis sie sich intensiv mit dem Schreiben befassen konnte. "Ich musste mich um meine Eltern kümmern. Bis zum Tod meiner Mutter 2002 bin ich häufig zwischen Krombach und Frankfurt hin und her gependelt. Danach ist mein kranker Vater nach Frankfurt gezogen und ich habe ihn noch sieben Jahre betreut."

Es folgte eine produktive Zeit. Butte gelang es, den Verlust literarisch zu verarbeiten. Sie schrieb Gedichte, Kinderbücher, Kurzgeschichten und Krimis und gab jedes Jahr mindestens ein Buch heraus.

2014 musste die Autorin einen schweren Schicksalsschlag erleiden. Am Grab ihrer Eltern auf dem Frankfurter Hauptfriedhof wurde sie überfallen und zusammengeschlagen. "Danach bin ich zu alten Freunden ins Erzgebirge geflüchtet und habe mich dort niedergelassen", so Butte. Auf über 60 Lesungen lernte sie in drei Jahren viele interessante Menschen kennen, die ihr Stoff für weitere Romane lieferten. Für Helene Kalden verfasste sie deren Biografie „Aus dem Leben eines erzgebirgischen Bauernmädels“, worin sich die Zeitzeugin unter anderem kritisch mit der DDR auseinandersetzt.

Ganz neu, pünktlich zur Buchmesse, ist "Mein bewegtes Leben" erschienen, die Biographie eines 87-Jährigen aus dem Erzgebirge, der als Sohn eines Konsuls in Bolivien geboren wurde. Zurück in Deutschland erlebte er als Heranwachsender das Dritte Reich und überlebte den Luftangriff auf Dresden. Später wurde er als Mitarbeiter im Motorenwerk Zschopau für viele Monate zum Außendienst nach Guinea in Westafrika entsandt, wo Bananenschlangen lebensbedrohlich in Büschen lauerten.

Aktuell steht die Autorin gerade vor einer neuen Herausforderung. Eine namhafte deutsche Filmgesellschaft sei im Internet auf sie aufmerksam geworden und wolle nun ihren erfolgreichen Kriminalroman "Flaschenhals-Schorsch" verfilmen. Der Titel beziehe sich auf den Freistaat Flaschenhals, ein schmales Gebiet zwischen dem Rhein und dem unbesetzten Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau, das nach Ende des Ersten Weltkriegs vom 10. Januar 1919 bis zum 25. Februar 1923 bei der alliierten Rheinlandbesetzung unbesetzt blieb, jedoch vom übrigen unbesetzten Deutschland logistisch isoliert war.

"Ich wurde gefragt, ob ich für eine Verfilmung das Drehbuch schreiben kann und habe zugesagt. Ich muss es einfach versuchen. Eine Tante von mir war Filmschauspielerin und ein Onkel Kriminalschriftsteller. Da liegt es sozusagen in der Familie", sagt Butte. Ihre besten Einfälle findet die Autorin im Traum. "Ich habe immer einen Block auf dem Nachttisch liegen, wo ich mir meine Träume notieren kann."

Quelle: HANAUER ANZEIGER vom Freitag, 12. Oktober 2018

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